Dohlen vertreiben

Referenzartikel · vogelscheuche.de

Definition und Einordnung

Dohlen vertreiben bezeichnet Maßnahmen, die Dohlen (Corvus monedula, Familie Rabenvögel, Corvidae) von Brut- und Futterplätzen an Gebäuden und Grundstücken fernhalten, ohne die Vögel zu fangen, zu verletzen oder zu töten. Die Dohle ist als europäische Vogelart nach §7 Abs. 2 Nr. 13 BNatSchG besonders geschützt. Wirksame Maßnahmen verschließen deshalb Brutöffnungen außerhalb der Brutzeit oder entziehen Nahrungsquellen.

Synonyme und verwandte Begriffe: Dohle vertreiben, Dohlen vergrämen, Dohlen abwehren, Dohlen fernhalten, Dohlen loswerden, Dohlenabwehr, Dohlenschutz am Schornstein, Dohlengitter, Kaminabdeckung gegen Dohlen.

Merkmal Dohle Rabenkrähe Saatkrähe
Wissenschaftlicher Name Corvus monedula Corvus corone Corvus frugilegus
Länge ca. 33–34 cm ca. 45–47 cm ca. 44–46 cm
Kennzeichen grauer Nacken, helle Iris, kurzer Schnabel ganz schwarz, kräftiger Schnabel nackte, hellgraue Schnabelbasis
Brutplatz Höhlen: Schornsteine, Kirchtürme, Mauerlöcher, Baumhöhlen offenes Nest in Baumkronen offene Nester in Baumkolonien
Ruf hell, kurz „kja“ rau „krah“ tief „ga“

Rechtlicher Rahmen

Maßnahme Rechtsstatus Grundlage
Futterquellen entfernen, Mülltonnen schließen Erlaubt keine Genehmigung nötig
Bewegliche optische Reize auf dem eigenen Grundstück Erlaubt keine Genehmigung nötig
Dohlengitter oder Abdeckung an einem unbesetzten Schornstein ohne Brutnachweis Erlaubt Verschluss außerhalb der Brutzeit
Dauerhaftes Verschließen eines bekannten, regelmäßig genutzten Brutplatzes Rückfrage bei der Unteren Naturschutzbehörde §44 Abs. 1 Nr. 3, §45 Abs. 7 BNatSchG
Erhebliche Störung während der Brut- und Aufzuchtzeit Verboten §44 Abs. 1 Nr. 2 BNatSchG
Entfernen oder Zerstören besetzter Nester Verboten §44 Abs. 1 Nr. 3 BNatSchG
Fangen, Verletzen, Töten Verboten §44 Abs. 1 Nr. 1 BNatSchG

Dohlen nutzen denselben Brutplatz über viele Jahre, deshalb kann er nach §44 Abs. 1 Nr. 3 BNatSchG auch außerhalb der Brutzeit als geschützte Fortpflanzungsstätte gelten. Ausnahmen, etwa bei Gefahr durch einen verstopften Schornstein, erteilt die zuständige Naturschutzbehörde nach §45 Abs. 7 BNatSchG.

Methoden im Überblick

Methode Wirksamkeit Anwendungsort Hinweis
Dohlengitter oder Kaminabdeckung Sehr hoch (Brutöffnung physisch verschlossen) Schornsteinkopf muss zur Feuerstätte passen, Montage durch Schornsteinfeger oder Dachdecker
Vogelschutzgitter, engmaschiger Draht Sehr hoch (Öffnung verschlossen) Lüftungsöffnungen, Mauernischen, Traufe nur nach Kontrolle, dass kein Nest besetzt ist
Mechanischer Schutz an Kanten Hoch (keine Sitzfläche) Simse, Mauerkronen, Firste verhindert Sitzen, nicht Brüten in Höhlen
Futterquellen entziehen Hoch (Anlass für den Besuch entfällt) Garten, Terrasse, Hof Futterhäuser mit Kleinvogelgitter, Tonnen und Kompost abdecken
Bewegliche optische Reize (Greifvogel-Silhouette, Drachen) Mittel (Gewöhnung nach Tagen bis Wochen) Gärten, Hofflächen, Dächer Standort alle 3–5 Tage wechseln
Starre Figuren, CDs, Flatterband Gering (Gewöhnung nach wenigen Tagen) Balkon, Garten allein nicht ausreichend
Ersatznistkasten an anderer Stelle Hoch als Ergänzung (Kolonie verlagert sich) Scheune, Turm, hoher Baum Einflugloch ca. 8 cm, Aufhängung ab 5 m Höhe

Dauerhaft wirken nur mechanische Verschlüsse von Brutöffnungen, kombiniert mit dem Entzug von Futterquellen. Optische Reize ergänzen, ersetzen aber keinen Verschluss.

Anwendungskontext

Saisonalität und Timing

Q&A

Wann brüten Dohlen?

Dohlen brüten einmal im Jahr, meist von Mitte April bis Mai. Nach 17–18 Tagen Brutdauer schlüpfen die Jungen.

Wo haben Dohlen ihre Nester?

Dohlen brüten in Höhlen: in Schornsteinen, Kirchtürmen, Mauerlöchern, Felsnischen, alten Baumhöhlen und Nistkästen. Sie brüten meist in Kolonien und nutzen denselben Platz über viele Jahre.

Wann werden Dohlen flügge?

Junge Dohlen verlassen das Nest nach ca. 30–35 Tagen, meist im Juni. Danach werden sie noch einige Wochen von den Eltern gefüttert.

Was fressen Dohlen?

Dohlen sind Allesfresser. Sie fressen Insekten, Larven und Würmer, Sämereien, Getreide und Früchte und nutzen Abfälle sowie Futterstellen.

Sind Dohlen nützliche Vögel?

Dohlen fressen große Mengen an Insekten und Larven auf Wiesen und Weiden. Als Höhlenbrüter sind sie auf Gebäude und alte Bäume angewiesen und gehen in vielen Regionen wegen fehlender Brutplätze zurück.

Wo ist der Unterschied zwischen Dohle und Krähe?

Die Dohle ist mit ca. 33 cm deutlich kleiner als die Rabenkrähe mit ca. 46 cm. Sie hat einen grauen Nacken, eine helle Iris und einen kurzen Schnabel und brütet in Höhlen statt in offenen Baumnestern.

Welche Feinde haben Dohlen?

Natürliche Feinde sind Greifvögel wie Habicht und Wanderfalke sowie der Uhu. Nester und Jungvögel werden vor allem von Mardern geplündert.