Im Frühjahr auf der Weide: Das Gras ist kurz abgefressen, überall liegen grüne Kotwürste, der Boden ist zertreten und an nassen Stellen verschlämmt. Was dort wächst, landet im ersten Schnitt und in der Grassilage. Verdrecktes Futter auf Grünland und Weide ist für Milchvieh- und Grünlandbetriebe ein unterschätzter Schaden – Verursacher sind meist große Gänseschwärme. Hier erfahren Sie, wie Sie den Schaden erkennen, was er für die Futterqualität bedeutet und wie Sie Ihr Grünland schützen.
Schadbild erkennen: So sieht verdrecktes Futter auf dem Grünland aus
- viel grüner, walzenförmiger Kot über die Fläche verteilt, an Lieblingsplätzen dicht an dicht
- kurz abgeweidete Bereiche, besonders auf jungem, nährstoffreichem Aufwuchs
- plattgetrampelte und verdichtete Stellen, im Winter und bei Nässe verschlämmte Narbe
- Trittspuren mit Schwimmhäuten und Federn
- Rinder und Schafe meiden verkotete Bereiche oder fressen dort schlechter
Plattgedrückte Futterwiesen und Trittschäden gehören zum selben Schadbild: Wo ein Schwarm über Wochen frisst, leidet die Grasnarbe genauso wie der Aufwuchs.
Wer war es? Gänse – und wer nicht
Auf Grünland und Weiden sind es im Winter vor allem Blässgänse und Nonnengänse, die in großen Schwärmen aus dem Norden kommen, dazu das ganze Jahr über Graugänse, Kanadagänse und Nilgänse.
| Ursache | Typisches Bild |
|---|---|
| Gänse | Kot in großen Mengen über die Fläche verteilt, flächig kurz abgeweidet, Trittsiegel mit Schwimmhäuten |
| Wildschweine | aufgewühlte Grasnarbe, umgedrehte Soden, Erde im Aufwuchs |
| Maulwurf und Wühlmaus | Erdhaufen, die beim Mähen Erde ins Futter bringen |
| Weidevieh | Kotfladen und Trittschäden an Tränken, Toren und Zäunen |
| Überschwemmung | Schlamm und Sand auf dem Aufwuchs nach Hochwasser |
Warum kommen Gänse aufs Grünland?
Junges Gras ist im Winter und Frühjahr eine der nährstoffreichsten Nahrungsquellen für Gänse. Weite, offene Weiden und Wiesen bieten freie Sicht, und in Niederungen liegen die Schlafgewässer oft in Flugweite. Haben die Gänse eine Fläche als sicher erkannt, kommen sie Tag für Tag zurück. Weil die Bestände der Wintergäste seit Jahrzehnten stark gewachsen sind, sind Grünlandbetriebe an der Küste und in den großen Flussniederungen besonders betroffen. Im Sommer nutzen Graugänse, Kanadagänse und Nilgänse die Weiden nahe ihrer Brutgewässer, gerade während der Mauser, wenn sie einige Wochen nicht fliegen können und zu Fuß fressen.
Sofort tun: Futter sichern und Schaden dokumentieren
- Fläche und Schaden dokumentieren: Fotos mit Datum, Zahl der Gänse, betroffene Schläge.
- Prüfen, ob die Fläche in einem Vogelschutzgebiet oder einer Kulisse für Ausgleichsprogramme liegt, und deren Bedingungen klären, bevor Sie vergrämen.
- Stark verkotete Teilflächen beim ersten Schnitt getrennt bewerten; im Zweifel nicht in die Silage für Hochleistungstiere.
- Mähhöhe so wählen, dass möglichst wenig Kot und Erde ins Futter gelangen, und das Futter auf Verschmutzung prüfen lassen.
- Lückige Narbe im Frühjahr ausbessern; eine Nachsaat im Grünland schließt Trittschäden, bevor Unkraut einwandert.
Dauerhaft verhindern: Grünland schützen
- Früh vergrämen: Ab den ersten Landungen handeln, bevor sich ein Schwarm an die Fläche gewöhnt.
- Bewegung aus der Luft: Gänse reagieren stark auf Greifvögel; bewegliche Vergrämung über der Fläche wirkt auf großen Weiden am besten.
- Reize wechseln: Standorte und Mittel regelmäßig verändern, starre Figuren nur kurzzeitig einsetzen.
- Absprachen treffen: Duldungsflächen mit Nachbarn und Naturschutz abstimmen, damit die Gänse nicht nur von Weide zu Weide ziehen.
- Jagdlichen Druck nutzen, wo erlaubt: Grau-, Kanada- und Nilgänse haben je nach Bundesland Jagdzeiten; viele Wintergäste sind ganzjährig geschont.
Welche Methoden bei Gänsen wirken, steht auf unserer Seite Gänse vertreiben und vergrämen: Felder, Weiden und Ufer schützen.
Recht in Kürze: Gänsefraß und Verkotung sind kein Wildschaden im Sinne des Bundesjagdgesetzes – Ersatz gibt es dort nur für Schäden durch Schalenwild, Wildkaninchen und Fasanen, die Länder können das ausweiten. Für Gänseschäden zahlen einige Länder über eigene Ausgleichsprogramme, oft nur in festgelegten Gebieten und mit der Bedingung, die Gänse dort nicht zu beunruhigen.
Schadhöhe: Was verdrecktes Futter kostet
Verschmutztes Grundfutter senkt die Futterqualität: Kot und Erde verdrängen wertvolle Inhaltsstoffe, die Silage gärt schlechter, und Tiergesundheit und Leistung leiden. Dazu kommen Ertragsausfall durch Fraß, Kosten für Nachsaat und Zukauf von Futter, wenn der eigene Aufwuchs knapp wird. Besonders betroffen ist der erste Schnitt im Frühjahr, der in vielen Betrieben das wertvollste Grundfutter des Jahres liefert. Wie hoch die Schäden werden können, zeigen Fälle aus Ostfriesland und Friesland: Milchviehhaltern, deren Weiden von Wildgänsen kahl gefressen wurden, wurden Entschädigungen von knapp 39.000 Euro für zwei Betriebe und in einem weiteren Fall 75.000 Euro zugesprochen.



