Land & Forst - Vogelscheuche im Tiefflug - von Markus Mücke

Schäden durch Vogelfraß treten zumeist regional sehr begrenzt auf.
Sie können aber dort sowohl im konventionellen Landbau als auch besonders im ökologischen Landbau sehr massiv ausfallen.


Im konventionellen Landbau kommt es vor allem auf Winterraps-Standorten häufig zu Schäden durch Taubenfraß. Im ökologischen Ackerbau bereiten Schäden durch Vogelfraß besonders an den Kulturen, Mais und Getreide erhebliche Probleme. Verursacher sind hier hauptsächlich Krähen und Tauben. Durch die vielfältigeren Fruchtfolgen im Öko-Landbau wird ein größerer Anteil von Sommerungen, wie z.B. Leguminosen und Sommergetreide, angebaut. Aus diesem Grund ist das Nahrungsangebot auf solchen Standorten deutlich größer und Interessanter als auf konventionellen Flächen. Außerdem hat der konventionelle Landbau teilweise die Möglichkeit, das Saatgut mit entsprechenden chemisch-synthetischen Beizungen zu schützen. Im ökologischen Landbau sind dagegen solche Beizungen verboten.
Mit den im ökologischen Landbau zugelassenen Naturstoffen zur Behandlung des Saatgutes ist bisher nur vereinzelt eine ausreichend abschreckende Wirkung erzielt worden. Dazu gehören beispielsweise Blutmehl, Steinmehl, Quassia, Neemextrakt, Zimtsäure und Zimtöl. Lediglich Knallapparate, die allerdings wegen ihrer Lautschtärke nicht überall eingestzt werden können, wirken in einem gewissen Umfang abwehrend. Auch eine tiefere Saatgutablage und auch das Walzen nach der Saat bewirken, das den Vögeln das Herankommen an den Samen bzw. das Herausziehen der Pflanze  zumindest erschwert wird.
Mit Drachen Vögel vertreiben
Neuerdings wird auf dem Markt ein Drachen als Vogelscheuche angeboten. Das Grundprinzip dieser Vogelscheuche nutzt den angeborenen Instinkt der Vögel, nicht in der Nähe eines schwebenden Raubvogels zu fressen. Deshalb ähnelt der Drachen in seiner äußerlichen Form schemenhaft einem Greifvogel. Der Drachen ist so konstuiert, dass er schon bei geringsten Windbewegungen, aber auch bei Starkwind oder Regen fliegen kann. Dafür werden besonders leichte, aber stabile und wasserabweisende Materialien wie Nylongewebe und Kohlefaserstäbe verwendet. Befestigt wird der Drachen an einer stabilen ca. 13 Meter langen Aluminiumstange, die aus einzelnen zusammensteckbaren etwa 1,3 m langen Einzelelementen besteht. Diese Stange wird mit einem Bodenanker gesichert. Dir Drachenschnur ist so bemessen, dass der Drachen bei absoluter Windstille etwa ein bis zwei Meter über dem Boden schwebt, damit er bei zunehmendem Wind schnell wieder aufsteigen kann. Der Wirkradius des Drachens liegt bei etwa 250 bis 350 Meter. Auf Flächen ab etwa zwei bis drei Hektar ist es ratsam, mit mindestens zwei Drachen zu arbeiten. Es empfliehlt sich ausserdem, öfter einen Standortwechsel der bzw. des Drachens vorzunehmen, damit ein Gewöhnungseffekt bei den Vögeln vorgebeugt wird.
Viel versprechende erste Erfahrungen.
In diesem Jahr wurde der Drachen im Rahmen des EU-Projektes "Umweltgerechte Landbewirtschaftung" auf verschiedenen Flächen im Gebiet der Landwirtschaftskammer Hannover getestet. Bei der Auswahl der Versuchsflächen sind Standorte berücksichtigt worden, wo erfahrungsgemäß mit einem starken Zuflug von Tauben und Krähen gerechnet werden musste.
Auf zwei rund vier Hektar großen ökologisch bewirtschafteten Standorten mit Erbsen konnte der starke Zuflug von Tauben mit Hilfe zweier Drachen effektiv gestoppt und großer Schaden verhindert werden. Ähnlich gute Erfahrungen sind auf einer ökologisch bewirtscchafteten ca. vier Hektar großen Silomaisfläche gemacht worden. Hier traten in den zurückliegenen Jahren regelmäßig Schäden durch Krähen und Taubenfraß auf. Durch den Einsatz zweier Drachen waren in diesem Jahr keine Schäden zu verzeichnen. Auch eine Fläche mit Buschbohnen konnte wirkungsvoll gegen Taubenfraß geschützt werden, allerdings musste auf diesem Standort der Drachen öfters umgestellt werden, da sich die Tiere schneller an den Drachen gewöhnen.
Derzeit steht ein Drachen auf dem LWK-Versuchsfeld Borwede im Landessortenversuch Winterraps.
Die gegenwärtigen Beobachtungen bestätigen ebenfalls eine sehr gute abschreckende Wirkung gegenüber Tauben. Auch Versuche aus anderen Bundesländern zeigen positive Effekte mit dem Drachen in der Taubenabwehr. Dagegen ist die Wirksamkeit gegen Krähenfraß nach gegenwärtigem Stand schlechter zu beurteilen. Außerdem wird vom Hersteller auch eine abschreckende Wirkung gegenüber Feldhasen angegeben, was aber aus eigenen Versuchen nicht bestätigt werden kann. Generell muß berücksichtigt werden, dass die Vögel durch den Drachen von dem Standort vertrieben werden, sich dafür aber auf Nachbarflächen niederlassen und dort Schäden anrichten können. Etwas umständlich gestaltet sich das Aufstellen des Drachen. Besonders das Hereinschlagen bzw. Herausziehen des ca. 1,5 m langen Bodenankers erwies sich unter trockenen Bodenverhältnissen als sehr kraft- und zeitaufwendig. Nach Herstellerangaben soll allerdings ein neu entwickelter Bodenanker, der in den Boden gedreht wird, für Erleichterung sorgen. Außerdem lässt sich die Drachenstange nur mit viel Geschick und Kraftaufwand von einer Person aufstellen. Gelegentlich verfing sich der Drachen an der Aluminiumstange, was aber auch mit einer nicht optimalen Ausrichtung der Stange zusammenhing. Aus diesem Grund sollte generell alle zwei bis drei Tage kontrolliert werden, ob der Drachen noch frei schwebt.
Alles hat seinen Preis
Ein kompletter Drachensatz besteht aus einer 10-teiligen Aluminiumstange (ca. 13 m) für 380 DM, einem Winkeleisen als Bodenaker für 80 DM und dem Vogelscheuch-Drachen inkl. Schnur und Kleinteile für 60 DM. Die Gesamtkosten für ein System betragen somit 520 DM ohne MwSt. Den größten Kostenanteil verursacht die Aluminiumstange. Allerdings unterliegt sie einem geringem Verschleiß und kann über mehrere Jahre genutzt werden. Dagegen kann sich der Drachen je nach Einsatzdauer schneller abnutzen. Ein bis zwei Jahre Nutzungsdauer sind aber durchaus realistisch. Oftmals wird es ausreichen nur beschädigte Einzelteile auszutauschen. Besonder für den stärker betroffenen Ökologischen Landbau stellt der Drachen eine interessante, aber nicht ganz preisgünstige Alternative dar.

Land und Forst
Text: M. Mücke, J. Baade-Möller, T. Beiß-Delkeskamp, LWK Hannover
Foto: M. Mücke

 
 
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